Teamberichte 2015


Heute hier, morgen dort

Bericht vom Team -π×Daumen- (Salome und Sabine)
zum Campus-Jailbreak 2015 am 07. und 08. August 2014


Nun ist es endlich soweit. Wir stehen ganz oben bei den Berichten. Das kommt daher, dass wir gewonnen haben. Damit wäre das Wichtigste schon gesagt – aber wir wollen natürlich auch noch berichten, wie es dazu kam...

Ach, wir sind ja nun schon vom Anfang an dabei. Also erfahrene Hasen [nicht vegan]. Doch wir haben genug gespielt, diesmal nahmen wir die Sache ernst. Schon Tage zuvor lasen wir im Internet die Erfahrungsberichte zu verschiedenen Strecken, sichteten Kartenmaterial, ja investierten sogar in ein Hi-Tech-Zelt, um uns auch einfach besser ausgestattet zu fühlen.

Das Wetter war die Komponente, die wir uns nicht aussuchen konnten. Der Jailbreak-Freitag war mit Hitzewarnungen bei bis zu 40 Grad Celsius als heißester Tag des Jahres angekündigt worden. Zum Startschuss um 12 Uhr mittags war das schon zu spüren. Für ein bisschen Abhilfe sorgte eine Sprühflasche, die wir mit Wasser befüllt hatten und mit der wir uns gegenseitig kleine Abkühlungen gönnten.

Aus den Erfolgen der früheren Jailbreak-Gewinner_innen ergab sich: Südfrankreich würde unser Ziel sein. Zusätzlich fand in der Gegend zeitgleich das Hitchgathering statt, das jährliche europäische Tramper_innentreffen.

Siegessicher brüsteten wir uns mit unseren Vorbereitungen. Team NaMo&Mamo muss wohl beeindruckt gewesen sein, sodass sie sich dann doch gleich an unsere Fersen setzten.

Dass sich das Studieren auch lohnt, zeigte unser Start in Leipzig. Ein Dozent unserer Fakultät erkannte uns an der Straße und brachte uns schon mal in Autobahnnähe. So ein erster „Hitch“ ist immer ein Motivationsschub.

Wir befanden uns an der Zufahrt zur A9, als ein weiterer Tramper dort auftauchte, der Friedemann zum Verwechseln ähnlich sah. Doch die Aufregung legte sich, es war nicht die Konkurrenz. Und glücklicherweise hielt auch schon bald ein Auto, das uns alle drei zum nächsten Autohof mitnahm. Gemeinsam grasten wir dort die rastenden Autos ab und bald vermittelte unser Mittramper uns die nächste Fahrt.

Jetzt sollten wir mehrere hundert Kilometer in einem beeindruckenden Wagen verbringen: Ein geräumiger amerikanischer Van stellte für uns als Gäste zwei Ledersessel mit Liegemöglichkeit zur Verfügung. Die filigrane Holzausstattung erinnerte uns an das Innenleben eines schicken Bootes. Das unternehmungslustige, junggebliebene Ehepaar war gut gelaunt und für nette Gespräche zu haben. Die große Hitze juckte uns da wenig, von hinten wehte uns nämlich eine frische Belüftung durchs Haar, sodass das Segelboot-Feeling nochmal unterstrichen wurde. Wenn das die anderen Teams wüssten... Die Zwischenergebnisse verrieten zumindest, dass sie auf der selben Strecke unterwegs waren. Als wir die Ausfahrt Alsfeld passierten, kam die SMS, dass Team NaMo&Mamo dort gerade sein sollten. Vielleicht haben sie uns ja noch aus unserem „Schiff“ winken sehen?

Bei Koblenz war das Umsteigen angesagt, wir waren schon fast am anderen Ende von Deutschland angelangt. Um unserer geplanten Richtung zu folgen und noch möglichst viele Kilometer zurücklegen zu können, mussten wir aber noch deutlich weiter südlich. Mehrere Kurzstreckenfahrten brachten uns nun bis nach Saarbrücken.

So war es noch vor Mitternacht, wir noch keine 12 Stunden auf der Strecke und Frankreich in Sichtweite. Dass sich über dem Horizont ein Unwetter zusammenbraute, beängstigte uns eher nicht, war damit doch Abkühlung in Aussicht.

Das nächste Auto, dass uns schon bald den Grenzübertritt ermöglichte, war ein Cabriolet. Und auch wenn wir nur wenige Kilometer darin verbrachten, wurden sie zu einem Highlight des diesjährigen Campus-Jailbreak. Wir sind beide noch nie mit einem Cabrio gefahren und unsere Erstlingsfahrt wurde zu einem unvergesslichen Abenteuer. Wir waren mit Sack und Pack zwar auf der Rückbank eines netten Flitzers zusammengequetscht, doch nach oben erstreckte sich die unendliche Freiheit bei atemberaubender Kulisse. Unsere Haare wehten wild im Wind. Der Wagen glitt mit hohem Tempo fast lautlos durch die Dunkelheit über die ansonsten wenig befahrene Straße, die sich durch die Berge schnitt. Über uns der Sternenhimmel. Zuerst zappte das Gewitter noch vor uns durch die bedrohlich dunklen Wolken, später war das gesamte Spektakel dann über uns, ein unbeschreiblicher Moment.

Das Schauspiel hatte ein schnelles Ende, als die ersten Regentropfen kamen, und unser Fahrer innerhalb weniger Sekunden das Faltverdeck schloss. Dann prasselte der Regensturm nur noch laut auf den Stoffüberzug über unseren Köpfen, bis wir auch schon bald an der nächste Raste uns für diese spannende Fahrt bedankten und wieder getrennte Wege gingen.

Es war spät und wir geschlaucht vom heißen Tag. Das ist dann immer der Punkt, wo sich so ein Tramprennen entscheidet: Bekommen wir eine Fahrt durch die Nacht oder verlieren wir hier wertvolle Stunden des Rennens?

Salome setzte ein Limit von einer Stunde, dann hätte sie gerne das neue Zelt aufgebaut und einfach dort neben dem Parkplatz genächtigt. Warum auch immer setzte Sabine noch mal 10 Minuten auf das Limit drauf. Hatte sie wohl einen guten Riecher? Denn um halb zwei, fünf Minuten vor Ablauf der selbst gewählten Deadline, tauchte Alex an der Tankstelle auf und war bereit, uns mitzunehmen. Er war auf dem Weg nach Lyon, also 500 Kilometer weiter Richtung Süden. Das war unser Glücksgriff. Und auch für Milan, einen niederländischen Tramper, der auf dem Weg nach Spanien war und den wir unterwegs bei einer Pause an einer Raste bei Dijon noch mit aufgabelten. Entspannt und ausgeruht waren wir zum Sonnenaufgang schon bei Lyon.

Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, das der Verkehr um Lyon ein Nadelöhr ist und durch die derzeitige Urlaubssaison zusätzlich verstopft sein sollte. An der Raststätte war unglaublich viel los, aber einerseits waren viele Autos mit Familien und Gepäck bis auf den letzten Platz besetzt und andererseits hatten wir noch so unsere Probleme, uns mit Sabines Schulfranzösisch-Resten als entspannte und vertrauenswürdige Mitfahrerinnen zu präsentieren. Nach einiger Zeit fanden wir dann eine Fahrt, die uns nach Grenoble führen sollte, was eigentlich ein Umweg auf der Route nach Süden darstellt. Das war uns aber erst bewusst, als wir schon eingestiegen waren. Na gut, dann einfach weiter... So landeten wir auf einem Parkplatz mit besten Blick auf die (Vor-)Alpen.

In dieser Idylle hielt auch schon gleich unser nächster Van. Das männliche Paar war wie wir auch auf dem Weg zum Mittelmeer, aber so clever, die derzeit im Verkehrsfunk durchgesagten Staus gut zu interpretieren und zu umfahren. Also waren sie auch von Lyon kommend nicht dem Rhône-Tal flussabwärts folgend, sondern über Grenoble gefahren. Sie nahmen uns gerne mit und weiter ging es über die Landstraßen der Provence, kurvenreich durch die Ausläufer der Alpen, an den Lavendelfeldern vorbei, die diese Region so berühmt machen. Bei dieser Fahrt stellten wir überrascht fest, dass unsere Idee von der Wassersprühflasche in Frankreich schon kommerzialisiert existiert und man hier zur Abkühlung so etwas wie Haarspraydosen, nur eben mit Wasser gefüllt, im Supermarkt kaufen kann.

Das Finale war eher unspektakulär. Wir wünschten uns, bis in eine nennenswerte Stadt zu kommen, um als Ziel nicht einen Ort in der Pampa anzugeben. Genau in der Sekunde, wo es 12 Uhr schlug und die 24 Stunden des Rennens beendet waren, rollten wir am Ortseingangsschild von Orange vorbei, was ein Vorort von Avignon ist. Also schnell anhalten. Siegerpose, Bild, SMS mit Standort schicken. Geschafft. Orange, auch ein sehenswerter Ort für geschichtsinteressierte Menschen.